Rich Snippets für Stellenanzeigen

Die Jobsuche an sich kann aufwändig sein und die Ausschreibung neuer Stellen ebenso, wenn es darum geht, bei allen relevanten Stellenbörsen aktiv zu sein.
Sind Bewerber und Unternehmen in mehreren Portalen aktiv, sieht die Realität schnell so aus:

Suchprozess

Bewerber müssen mehrere Profile pflegen und erhalten E-Mail-Fluten mit neuen Jobs – darunter viele redundante Stellenanzeigen –, so dass aus Bewerbersicht jede zusätzliche Stellenbörse mit mehr Zeitaufwand, aber nur geringem Mehrwert verbunden ist. Ganz zu schweigen davon, dass man im Erfolgsfall dann noch einmal Arbeit damit hat, die ganzen Newsletter wieder loszuwerden. Das ist umständlich.
Aus Unternehmenssicht ist es kein großer Zeitaufwand, auf einer Plattform mehr oder weniger zu inserieren, aber sehr wohl eine Kostenfrage.

Für alle Beteiligten ist das kein optimaler Zustand. Einfacher wäre es wie folgt:

einfache-jobsuche-rich-snippets

Google hat schon vor längerer Zeit diverse Patente angemeldet, die die besondere Formatierung bestimmter Daten für die Suche und deren Darstellung auf der SERP betreffen:Rich Snippets meine ich. Es gibt sie für Unternehmen, Rezepte, Events usw. – Wie wäre es, wenn es sie für Jobs gäbe?

Die Folgen von “Rich Snippets für Stellenanzeigen” für Bewerber, Unternehmen, Online-Jobbörsen und Google

Würde das Stellenbörsen überflüssig machen? Vollständig bestimmt nicht – aber zu einem gewissen Teil schon.

Denn Folgendes wäre möglich:

Job finden durch Rich Snippets

Der User könnte ausgeschriebene Stellen direkt auf der SERP finden und seinen Bewerbungsaufwand stark reduzieren.

Was hat aber Google finanziell – denn sonst wird’s ja nicht umgesetzt – von der ganzen Sache?
Das scheint der Knackpunkt zu sein.

Szenario 1: Heute

Angenommen, alle Stellenbörsen investieren in Google AdWords, es gibt noch keine Rich Snippets für Jobs, und jedes Unternehmen ist in mehreren Stellenbörsen aktiv.
Bewerber bevorzugen Online-Stellenbörsen gegenüber Google bei der Jobsuche.

Szenario 2: Morgen

Wenn es Rich Snippets für Jobs gäbe, würden viele Unternehmen ihre Daten auf der eigenen Homepage möglicher Weise besser aufbereiten, so dass sie mit den Rich Snippets besser in der organischen Suche gefunden werden. Sie könnten es zumindest. Wer das nicht hinkriegt, der könnte eben AdWords-Anzeigen buchen. Die Unternehmen würden in diesem Fall seltener Stellenbörsen nutzen.

Szenario 2 wird für Google finanziell nur dann vorteilhaft sein, wenn Google mehr über AdWords einnimmt als in Szenario 1.
Die AdWords-Kosten für Werbende – und damit Googles Einnahmen – steigen in den folgenden Fällen:

  • Das Suchvolumen steigt.
  • Die Klickpreise steigen.

Das Suchvolumen wird steigen, wenn es für Bewerber zur Gewohnheit wird, bei Google nach Jobs zu suchen. Wenn die Jobsuche einfach wäre und gute Ergebnisse liefern würde, wäre das sicher der Fall.
Die Klickpreise könnten ebenfalls steigen. Es würde mehr Konkurrenz unter den Werbenden geben, wenn jedes Unternehmen einzeln bucht – wenn. Aber als Unternehmen sieht man es nicht gern, dass ein Konkurrent mit seiner Anzeige an Position 1 erscheint – ganz egal, ob man in den organischen Ergebnissen gut gerankt ist oder nicht. Man möchte diese paar Prozent Traffic gern auch noch mitnehmen. Die Brand-Bidding-Frage kommt hier zum Tragen. Es könnte also sein, dass in Fall 2 mehr Unternehmen selbst inserieren als bisher. Für Google verändert sich also in jedem Fall die Quelle der AdWords-Einnahmen.

Wer würde abschließend von Rich Snippets für Jobs profitieren?

Google?
Wahrscheinlich ja. Letztendlich hängt es von den Klickpreisen und der Anzahl der AdWords-Kunden ab, ob sich diese Idee für Google ausreichend rentiert, so dass die Umsetzung Sinn macht. Ungünstig wäre es dann, wenn sich nur die Jobbörsen an Rich Snippets anpassen würden.

Die Bewerber?
Ja. Man spart Zeit und findet alle Infos aggregiert an einer Stelle vor. Die Bewerbung an sich dauert noch, aber da gibt es ja hier und da schon Ansätze für allgemeine Standardformate von Lebensläufen, so dass man diese mit ein paar Klicks in Bewerberpools von Unternehmen importieren kann.

Die Unternehmen?
Sofern die zusätzlichen Kosten zur Formatierung der Stellen auf der eigenen Webseite und ggf. zusätzliche AdWords-Kosten, insgesamt die Kosten für die Stellenanzeigen in den Stellenbörsen unterschreiten: Ja. Für manche wird es sich lohnen, für andere vielleicht nicht.

Die Stellenbörsen?
Das sind die Verlierer dieses Modells. Sie verlieren an Relevanz.

Ich bin – abgesehen vom letzten Punkt – unsicher, ob es Rich Snippets für Jobs in allzu naher Zukunft geben wird. Interessant ist sicher auch die Frage, was “besser für uns alle” wäre. Szenario 1, bei dem jeder ein kleines Übel in Kauf nimmt, oder Szenario 2, bei dem es noch “kleine Übel” gibt, aber auch einen sicheren Verlierer? – Da kann man sicher lange drüber diskutieren.

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Veröffentlicht am 22. März 2012 unter Kundengewinnung, Marketingkommunikation

Über den Autor

Sonja Bacht (geb. Gottschalk) ist freiberufliche Beraterin für effizientes Marketing und profitable Online-Geschäftsmodelle. Sie ist Diplom-Kauffrau mit den Schwerpunkten Marketing, Medienmanagement und Wirtschaftspsychologie. Davor hat sie bei Unternehmen wie z.B. SUPER RTL oder C&A Erfahrungen in verschiedenen Managementpositionen in den Bereichen Online Marketing, Online Product Management, Business Development, Beratung, Country Management und Marketingleitung gewonnen.

Kommentare (2)

  1. Andreas Wander
    22. März 2012 at 8:37 · Antworten

    Also ich bin ganz fest überzeugt, dass wir in den kommenden Monaten viele Änderungen in den Snippets sehen werden. Allerdings kann ich keine Einschätzung abgeben, wie sich die Richsnippet-Strategie von Google entwickeln wird. 😉

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